„Cor de Rosas Tochter“ von Claudia Romes

corderosastocher

Am Amazonas und am Rio Negro gibt es bei den indigenen Völkern die Sage, ertrunkene Menschen würden sich in Flussdelfine verwandeln, in Boto Cor de Rosa. Diese haben die Fähigkeit, nachts als wunderschöne Männer ans Ufer zu kommen. Wenn ein Mädchen sich in einen der Botos verliebt, können immer wieder auch Kinder aus den Verbindungen hervorgehen.
In ihrem Buch „Cor de Rosas Tochter“ erzählt Claudia Romes die Geschichte einer Delfintochter mit ganz besonderen Fähigkeiten.

 

Naiara wird in ihrem Dorf, das im südamerikanischen Urwald am Amazonas liegt, oft verspottet, weil sie keinen Vater hat und ihre Mutter – so glaubt die Gemeinschaft – die Beziehung zu einem Boto Cor de Rosa als Ausrede für eine uneheliche Verbindung nutzt. Auch Naiara hört mit dem Älterwerden auf, an ihren Vater, den Flussdelfin, zu glauben. Sie zieht in die Stadt und fängt an zu studieren. Doch als sie während der Semesterferien  zurück ins Dorf kommt, um ihre Abschlussarbeit über die einzigartigen Flussdelfine des Amazonas zu schreiben, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse. Naiara hat nun die Wahl: Die Geschehnisse auf sich beruhen zu lassen, oder aber die alten Legenden und Mythen ihres Stammes zu glauben – und zu akzeptieren, dass sie alle in großer Gefahr schweben…

„Cor de Rosas Tocher“ erzählt nicht nur eine romantische, sondern auch eine außergewöhnliche Geschichte. Es macht Spaß, in die Welt von Naiara einzutauchen. Die Beschreibungen des Regenwalds und des Amazonas sind so lebhaft und farbenfroh, dass man Lust bekommt, das Flugzeug zu besteigen. Tatsächlich schafft es die Autorin ihre Welt so zu erzählen, dass man – zumindest als Person, die noch nie am Amazonas war – tatsächlich glaubt, dass sie dort aufgewachsen sein muss.

Leider jedoch mangelt es der Autorin noch an Handwerk und Schreiberfahrung. Ihre Handlung ist nicht ganz rund erzählt, sie findet nicht die richtige Geschwindigkeit für die Geschichte: Einige Stellen erzählt sie zu langsam und ausführlich, an anderen zieht sie das Tempo an und huscht zu schnell über markante Stellen. Außerdem findet sie keinen einheitlichen Erzählstil: Obwohl die Geschichte in einem Indianerdorf spielt, ist die Sprache der Figuren sehr jugendlich und umgangssprachlich.
Doch obwohl der Erzählstil noch ungelenk ist: Ihre Geschichte hat Herz.

Was vor allem beeindruckt, ist die Entstehung des Buches – Claudia Romes hat die Geschichte geträumt: Sie hat von der Legende geträumt, bevor sie überhaupt wusste, dass eine solche Legende tatsächlich existiert. Erst nach Internet-Recherchen hat sie von den Boto Cor de Rosas gehört und dann beschlossen, dass sie ihren Traum zu Papier bringen muss. Und damit hat sie genau das Richtige getan, denn: Wenn diese Geschichte es nicht wert ist aufgeschrieben zu werden, dann ist es keine.

Kurz gesagt: Ein Debütroman einer vielversprechenden Jung-Autorin, der zwar noch nicht auf ganzer Linie überzeugt, aber dennoch viel Spaß macht!