„The Last Israelis“ von Noah Beck

Was wäre, wenn der Iran seine Atomwaffen tatsächlich gegen Israel einsetzen würde?
Der neue apokalyptische Roman „The Last Israelis“ von Noah Beck beschäftigt sich mit einem solchen Szenario. Und vertritt einen eindeutigen Standpunkt.

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Ein fiktives Horrorereignis, das im Morgen spielt – doch auf den tatsächlichen Fakten von heute beruht, das ist, was Noah Beck literarisch erschaffen hat.

In „The Last Israelis“ geht es um die 35-köpfige Besatzung des israelischen U-Bootes Dolphin. Dieses atomwaffenfähige U-Boot existiert tatsächlich, die Crew-Mitglieder sind allerdings frei erfunden Diese Männer unterschiedlichster ethnischer Herkunft und religiöser Ansichten werden zu einem Sondereinsatz in den Golf von Oman geschickt. Sie sollen dort einem anderen U-Boot ihrer Flotte zu Hilfe kommen und sich außerdem für einen atomaren Schlag gegen den Iran bereithalten, sollte dieser den Staat Israel angreifen. Während einiger Tage unter der Wasseroberfläche bricht der Kontakt zur Leitstelle ab – und die Crew sieht sich mit der Frage konfrontiert, was sie im Falle einer kompletten Zerstörung Israels tun soll: Sich zurückziehen oder auf eigene Faust einen Vergeltungsschlag gegen den Iran ausführen und damit Millionen unschuldiger Zivilisten das Leben nehmen?

Die neuen technischen Möglichkeiten, Bücher herauszubringen (im Eigenverlag / als Ebook) haben eine Vielzahl von selbsternannten Schriftstellern dazu gebracht, ihre Ideen zu veröffentlichen und verkaufen. Viele davon wurden leider zu Recht von Verlagen abgelehnt: Oft sind sie mit Rechtschreibfehlern gespickt, dilettantisch geschrieben und erzählen nur mäßig interessante Geschichten.

Doch es gibt auch einige sehr talentierte und originelle Autoren, die ohne die Möglichkeiten des Self-Publishing vielleicht nie Bekanntheit erlangt hätten. Und die sich damit ihre Uanbhängigkeit bewahren.
Einer davon ist Noah Beck. Der eine ungewöhnliche Geschichte zu erzählen hat und sich dieser mit so viel Leidenschaft widmete, wie man es sich von vielen Autoren nur wünschen könnte.

Noah Beck kommt eigentlich aus der Wirtschaft, schreibt aber schon seit seiner Kindheit. Als er begann, sich intensiv mit der Israel-Iran-Konflikt und dem Atomstreit zu beschäftigen, kam er zu dem Schluss, dass der Iran und Israel auf einen Atomkrieg zusteuern, unter anderem durch das seiner Meinung nach zu zögerliche bzw. ausbleibende Einschreiten von Seiten der USA.

Noah Beck beschloss, aktiv zu werden. Mithilfe der Literatur, die die Welt schon so oft zum Besseren verändert hat.
Er kündigte seinen sicheren Job und brach sämtliche soziale Kontakte ab, um sich ausschließlich dem Schreiben eines Romans zu widmen, mit dem er seine Meinung kundtun und Aufmerksamkeit auf die politischen Geschehnisse lenken kann. Innerhalb von zehn Wochen schaffte er es, den 270 Seiten langen Roman fertig zu stellen.
Was er geleistet hat ist unglaublich. Nicht, weil der Roman erzählerisch außergewöhnlich wertvoll ist, sondern, weil er gespickt ist mit erstaunlich detaillierten und sehr genau recherchierten Informationen zur Weltgeschichte, zum Alltag in einem U-Boot und zur politischen Lage im Nahen Osten. Der Autor ist nach Israel gereist, um dort mit dem früheren Chef der israelischen Marine zu sprechen. Er richtete sein komplettes Leben nur auf dieses Buch aus – und begann irgendwann selbst, sich wie in einem U-Boot zu fühlen.

Sein Buch ist sehr subjektiv, insbesondere im Epilog, in dem Noah Beck durch eine seiner Figuren selbst das Wort an den nicht namentlich genannten US-Präsidenten richtet. Aber – ob man seiner Meinung ist oder nicht – eines schafft „The Last Israelis“ definitiv: Dass man beginnt, sich Gedanken zu machen und sich der brisanten Thematik anzunehmen.

Mein Fazit zum Buch: Es ist hochinteressant, allerdings hätte es für einen spannungsgeladenen Thriller noch Zeit zum Reifen gebraucht – Zeit, die Noah Beck definitiv nicht hatte, da die behandelte Thematik zu akut ist. Dass Noah Beck schreiben kann, beweist er in einigen Szenen sehr deutlich, schafft es aber leider nicht, das Niveau im kompletten Roman zu halten.
So sollte man den Roman vielleicht einfach nicht als Unterhaltungsroman betrachten, sondern eher als fiktive Versuchsanordnung von tatsächlichen Fakten, die fragt „was wäre wenn?“ Der Roman liefert eine spannende, vielleicht ein wenig einseitig beleuchtete Antwort.

Aber: Was wäre denn, wenn?

 

© Leonie Bredl

„The Last Israelis“ ist auf englisch als Taschenbuch und E-Book erhältlich. Eine deutsche Übersetzung wird vom Autor angestrebt, ist derzeit aber noch nicht verfügbar.