„Welche Farbe hat die Angst?“ von Barbara Rose

Welche Farbe hat die Angst

Farben – permanent umgeben sie uns, und meistens machen wir uns keine großen Gedanken über sie. Wann nehmen wir uns die Zeit, die Farben unserer Umwelt bewusst wahrzunehmen? Wie oft versinken wir in den unterschiedlichen Schattierungen eines Gemäldes?
In ihrem Roman „Welche Farbe hat die Angst“ rückt die Autorin Barbara Rose Farben in den Vordergrund. Die bunten, lebensfrohen Farben, aber auch die mythischen, gefährlichen Farben. Und welche Farbe hat die Angst?

Die 15-jährige Katta gewinnt zu ihrer Überraschung bei einem Malwettbewerb einen Malkurs bei dem Künstler  Josef Wild.
Fünf Tage ohne ihre Eltern! Fünf Tage nur umgeben von Farben, Leinwänden und Pinseln! Fünf Tage in der unmittelbaren Nähe ihres Schulschwarms Alex, der seine Ferien zufällig auch in dem Ort verbringt, in dem der Maler lebt!
Begeistert stürzt Katta sich in das Unterfangen, doch schon kurz nach ihrer Ankunft merkt sie, dass irgendetwas an diesem Ort nicht stimmt. Josef Wild stellt fest, dass ihr Malstil große Ähnlichkeit mit einer früheren Schülerin von ihm, Miriam, hat – und diese ist vor einigen Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen.
Und nicht nur das: Miriam sieht auch noch aus, wie das Mädchen, das nachts durch Kattas Träume geistert… 

Barbara Rose erzählt eine sehr süße Teenagergeschichte. Beim Lesen des Klappentextes erwartet man allerdings ein Buch, das etwas mehr in die düstere Thriller-Richtung geht – dazu ist die Geschichte, dann doch zu rosa. Außerdem ist sowohl die Handlung sehr vorhersehbar als auch die einzelnen Figuren sehr durchsichtig. Man versteht sehr schnell, wie Miriams Geschichte abgelaufen sein muss, und wartet dann darauf, dass auch Katta die Zusammenhänge erkennt.
Der Schreibstil ist jugendlich, auch die Sprache der Teenager ist gut getroffen. Die Dialoge sind allerdings nicht immer ganz flüssig – sie wirken eher konstruiert. Das lässt sich auch so über die Handlung und den Spannungsbogen sagen: An manchen Stellen stimmig, an anderen eher zusammengeschustert.

Aber bemerkenswert ist: Das Buch macht Lust auf Kunst!

Es macht Lust darauf, selbst einmal den Pinsel in die Hand zu nehmen und sich im Farbenspiel auszuprobieren. Es macht Lust darauf, staubtrockene Kunstausstellungen anzuschauen – ganz ohne Kunstlehrer oder strenge Eltern. Es macht Lust darauf, Gemälde zu betrachten und in ihnen zu versinken. Außerdem gibt das Buch immer wieder tolle Anregungen, indem echte Kunstwerke darin beschrieben werden, z.B. die „Ophelia“ von John Everett Millais (1852).

Jedes Kapitel trägt als Überschrift einen anderen Farbton, so wird jede Farbe einer Emotion zugeordnet. Es ist, als würde die Autorin die Geschichte in Bildern erzählen, in denen der jeweilige Farbton dominiert.
Durch den Titel, der als Frage formuliert ist, und durch die Tweet-Aktion des Verlages („Twittere deine persönliche #Angstfarbe“) wird der Leser angeregt, sich Gedanken darüber zu machen, welche Bedeutung man mit einzelnen Farbtönen verbinden kann.

„Welche Farbe hat die Angst?“ vermittelt also alles in allem die wunderbare Botschaft: Kunst bedeutet, Emotionen sichtbar zu machen und Menschen zu berühren. Farbe ist Leben.